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Geschichte und Entwicklung des Hundes

Geschichte und Entwicklung des Hundes

Hund (Canis lupus f. familiaris)

Als eines der ältesten domestizierten Haustiere, nimmt der Hund (Canis lupus f. familiaris) einen ganz besonderen Stellenwert ein. Er hat unter den Haustieren die größte Verbreitung. Der bislang älteste Fund eines Hundes liegt etwa 14.000 Jahre zurück.

Die ersten Hunde wurden wahrscheinlich zur Abfallbeseitigung, als Wärmekissen, als Aufpasser und Spielkameraden für die Kinder in der Familie und als Nahrungsreserve für schlechte Zeiten genutzt.

Anhand seiner Kreuzungsexperiment konnte Gregor Mendel nachweisen, dass eine wilde Stammform ausreicht, um die Zunahme der Variabilität bei den Haustieren im Laufe ihrer Domestikation zu erklären. Die Evolution beruht auf die Erzeugung genetischer Variationen, der Vererbung und der natürlichen Auslese.

Vermutlich führte die große ökologische und soziale Verwandtschaft zwischen Mensch und Wolf zur Zähmung und Domestikation des Wolfes. Wölfe sowie Hunde leben in einem Familienverband und sind auf die gegenseitige Unterstützung der Rudelmitglieder angewiesen. Den Nutzen des Hundes für die Jagd, sahen die Jäger, als durch die Änderung der klimatischen Bedingungen, neues Wild zu neuen Jagdmethoden führte. Das Wild konnte aufgespürt und krankes Wild konnte gehetzt und gestellt werden.

Besonders intensiv und systematisch in genetisch isolierten Rassen erfolgte die Hundezucht vor allem in Zeiten des Reichtums und der kulturellen Blüte der Völker. Die erste moderne Hundeausstellung für alle Rassen fand 1859 in Birmingham (England) statt.

Im Gegensatz zum Wolf, hat sich das Verhalten der Hunde im Funktionskreis des Jagdverhaltens und des innerartlich kommunikativ-sozialen Bereiches stark verändert, weil der Hund sein Futter nicht mehr selbst Jagen muss und der Zusammenhalt im Rudel als Versorgungseinheit nicht mehr zwingend notwendig ist. Bei den Wölfen ist die Struktur der Rangordnung differenzierter als bei den Hunden, die eher eine lineare Rangordnung haben. Auch gibt es bei den Hunden eine soziale und eine Futterrangordnung. Die Beziehungen in einem Rudel untereinander können sehr verschieden sein und der Zusammenhalt bedingt ständige Entscheidungsprozesse. Es gibt keine ausgeprägte Führerrolle, keine Tier, dem sich alle anderen Rudelmitglieder bedingungslos anschließen. Charakteristisch für ein stabiles Verhältnis ist der gegenseitige Respekt der Tiere vor den jeweiligen Rechten des anderen.

Die meisten Kämpfe zwischen Hunden sind Showkämpfe. Ein psychisch gesunder Hund ist gewillt, das eigene Verletzungsrisiko möglichst gering zu halten. Bei einem Ernstkampf versuchen beide Gegner durch möglichst festes Zubeißen, durch Kopfschleudern oder Reißen, den anderen zu töten. Auch das Halsdarbieten dient nicht etwa der Aggressionshemmung des Gegners, sondern ist eine Demonstration der eigenen Stärke. Es ist eine typisch provokante Verhaltensweise eines ranghohen Hundes gegenüber einem rangniederen oder schwächeren Rivalen. Die Beißhemmung, welche bei der Mehrzahl aggressiver Auseinandersetzungen mit Artgenossen gezeigt wird, ist besonders ausgeprägt gegenüber Welpen und erwachsenen Tieren des anderen Geschlechts. Der oft als Freifahrtschein angesehene Welpenschutz ist, wenn überhaupt nur in einem intakten Rudel zu beobachten. Welpen müssen lernen, die Signalbedeutung der verschiedenen Verhaltensweisen ihrer Artgenossen im sozialen Kontext richtig zu erkennen. Die aktive Unterwerfung leitet sich phylogenetisch aus dem Futterbettelverhalten ab. Ein Welpe, der es nicht gelernt hat, sich ranghöheren Rudelmitgliedern gegenüber richtig zu Verhalten, kann schnell tot gebissen werden.


Sinne des Hundes

Zu den Sinnen des Hundes gehören das Riechen, das Sehen, das Schmecken, das Tasten und das Hören. Das Gesichtsfeld ist im Vergleich zu dem des Menschen zwar im Winkel deutlich größer, jedoch fehlt es dem Hund an Sehschärfe. Die Bildfrequenzunterscheidung ist im optischen System besser als beim Menschen. Vor allem der Geruchsinn des Hundes hat einer Vielzahl von Menschen das Leben gerettet und hilft immer wieder beim Aufklären von Verbrechen. Der Teil des Hundegehirns, welches für den Geruch zuständig ist, ist proportional viel größer und besser entwickelt, als der im menschlichen Gehirn. Ein Hund ist in der Lage die Stimmung des Menschen durch den Geruch wahrzunehmen. Auch im akustischen Bereich, ist der Hund dem Menschen weit überlegen. Er kann Töne hören, die der Mensch nicht wahrnimmt.


SozialiSierung der Hunde

Die wichtigste Periode in der Entwicklung des Hundes, die zur Sozialisation auf den Menschen führt, ist zu Beginn der juvenilen Phase im Alter von acht Wochen. Dann ist die Bereitschaft, sich dem Menschen anzuschließen, besonders groß. Die Sozialisation auf den Menschen wird durch mehrere Faktoren, wie die Dauer und die Form der sozialen Kontaktaufnahme seitens des Menschen wesentlich beeinflusst. Die Entwicklung von Angst- und Fluchtverhalten kann eine Sozialisation verhindern. Aus diesem Grund ist es auch besonders schwierig, Wölfe oder Wolfshybriden in den ersten beiden Nachzuchtgenerationen, auf den Menschen zu Sozialisieren. Durch ihre vom Wolf dominant geerbte Selbstständigkeit, ihre starke soziale Motivation, ihr hohes aggressives Potential und zugleich auch ihre Ängstlichkeit, sind sie als Haustiere nicht geeignet.


Beste Freunde

Ein Hund ist bemüht, eine wohlwollende und freundliche Beziehung zu seinem Sozialpartner Mensch herzustellen und zu erhalten. Die meisten normal sozialisierten Hunde und an bestimmte Menschen gebundene Hunde, akzeptieren die ranghöhere Position des Menschen, versuchen aber ihren Freiraum innerhalb dieser Beziehung auszuweiten. Im Interesse der Entwicklung zu einem normalen, umweltstabilen, unaggressiven, eng an den Menschen gebundenen und gesellschaftsfähigen Hund, ist es wichtig vor allem in der Sozialisationsphase, sich ihm gegenüber tolerant zu verhalten damit eine positive Beziehung zwischen Hund und Mensch überhaupt entstehen kann. Wohingegen es besonders wichtig ist, gleich von Beginn an also mit der Wegnahme des Welpen von der Mutter und Geschwister, sich diesem gegenüber besonders bestimmt zu Verhalten. Eine behutsame und zunehmend konsequente Erziehung ist wichtig, damit er lernt, Kommandos und Tabus zu befolgen. Besonders in der Halbstarkenphase des älteren, juvenilen, geschlechtsreifen Hundes muss sich diesem gegenüber besonders bestimmt und dominant verhalten werden.


Hundehalter

Jedem Hundehalter sollte klar sein, dass der Hund ein Raubtier ist und egal wie niedlich und lieb er zu sein scheint, durchaus in der Lage ist, einem Menschen schwere Verletzungen zuzufügen. Die erschreckenden Meldungen in den Medien, über Beißunfälle verdeutlichen dies. Zudem werden viele Hunde- und Nichthundehalter sehr verunsichert, sie zweifeln mit Recht, an der Fähigkeit mancher Menschen, einen Hund zu führen. Angriffe auf den Menschen treten bevorzugt, bei der territorialen Verteidigung gegenüber Fremden, beim Austragen sozialer Konflikte und auf der Jagd auf. Solche Angriffe sind besonders gefährlich, weil dem Hund dann oft eine Beißhemmung fehlt. Häufig stellen die Angriffe auf Menschen eine Form des Spiels mit aggressiv oder jagdlich motivierter Komponente dar. Der Jagdtrieb ist nie allein Motivation für einen Angriff auf den Menschen, wobei vor allem spielerische Antriebe mit involviert sind.


Hund viele soziale Aktions- und Reaktionsmuster

Wie in jeder sozialen Auseinandersetzung zwischen Tieren, die sich gut kennen, ist auch im Spiel die Erfahrung, die sie miteinander haben, besonders wichtig. Im Spiel mit dem Menschen, lernt der junge Hund viele soziale Aktions- und Reaktionsmuster. Für den erwachsenen Hund ist Spiel mit einer der wichtigsten Verhaltensbereiche, in dem er sozialen Kontakt zu seinem Menschen erfährt, sowie mögliche soziale Konflikte auszutragen versucht. Im Spiel mit dem Hund können seine Triebe in die richtigen Bahnen gelenkt werden. Sie können kontrolliert und für Ausbildungszwecke zum Vorteil des Menschen genutzt werden. Die Einsatzmöglichkeiten im Rettungshundewesen, bei der Polizei, als Therapiehund, als Behindertenbegleithund, als Schlittenhund, als Sporthund, als Hütehund, als Herdenschutzhund, als Jagdhund, als Wachhund und nicht zuletzt als Familienbegleithund machen ihn zu einem unverzichtbaren Bestandteil in unserer Gesellschaft.

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